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Die Erneuerung des Franzosenfriedhofes

Vor 200 Jahren kämpften im Marchfeld französische Soldaten gegen die Habsburger. Im Schloss Obersiebenbrunn wurde damals zur Erstversorgung der Verwundeten ein Feldlazarett eingerichtet. Viele Gefallenen wurden im Waldstück, damals noch "Burgstall" genannt, begraben.

Anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht wurde auch der Franzosenfriedhof neu gestaltet.

Der Beitrag von Prof. Alena Urbankova, Universität für angewandte Kunst, berichtet von dieser Neugestaltung.

Ein weiterer Beitrag von Alexandra Rudolf, Studierende an der Universität für angewandte Kunst, Wien, beschreibt das Werden des Projekts aus der Sicht der Studierenden.

 

Vom Bluten zum Blühen

Neugestaltung des Franzosenfriedhofs in Obersiebenbrunn/NÖ

von Frau AProf. Mag.art. Alena Urbankova / Universität für angewandte Kunst

 

Alle ObersiebenbrunnerInnen kennen den „Franzosenfriedhof“, einen Ort mit einer bewegten Geschichte. Von Akazien und viel Gestrüpp zugewachsen ist in der kreisrunden Form mit dem umliegenden Graben noch eine ehemalige Grabenanlage erkennbar. Es wird angenommen, dass dies eine der ersten Besiedlungen von Obersiebenbrunn war.

Später wurde er als Friedhof verwendet. Nach der Schlacht zwischen Erzherzog Karl und Napoleon am 5. und 6. Juli 1809 diente die in der Zwischenzeit brachliegende Anlage als Grab für gefallene Soldaten. Auf Grund seiner Geschichte ist das Grundstück als „Bodendenkmal“ geschützt. Ein Sturm im Frühjahr 2008 hat das Zentrum verwüstet.Der im Zuge des Napoleon-Gedenkjahres angelegte Radweg führt an dem Ort vorbei und so hat sich eine Neugestaltung dieses geschichtsträchtigen Platzes „von selbst“ aufgedrängt.

In gemeinsamer Arbeit der Universität für angewandte Kunst und der Gemeinde Obersiebenbrunn / Dorferneuerungsverein wurde in einem Workshop unter der Leitung des Pädagogen und Dipl.-Ing. Johannes Matthiessen ein realisierbarer und finanzierbarer Entwurf erarbeitet. Durch genaue Untersuchungen des Geländes, der vorhandenen Pflanzen und Energiefelder, Beobachtungen am Tag und ausführlichen Diskussionen am Abend  wurde der Ort erforscht und hat durch die Arbeitskraft und Pflege Wertschätzung und Zuwendung erfahren.

Der gemeinsam erarbeitete Entwurf „Vom Bluten zum Blühen“ (der Titel bezieht sich auf die traurige Geschichte, aber vielleicht blühende Zukunft) sieht einen ins Zentrum führenden Pfad vor, der einem Kreuzweg ähnlich, verschiedene Stationen verbindet und durch unterschiedliche „Energieräume“ leitet: Schattige, erdige Plätze mit dichter grüner Bepflanzung,  blühende Wiese, sonniger Aussichtsplatz, besinnlicher Ruheplatz unter einer Ulme im Zentrum. Eine kreisrunde Neupflanzung von heimischen Bäumen und Sträuchern ersetzt die gefällten Bäume und verstärkt die alte Schutzwallfunktion.

Die geleistete Arbeit von einigen ObersiebenbrunnerInnen und zehn Studierenden der Klasse für Landschaftsdesign hat das brachliegende Waldstück zu einem  Ruhe- und Gedenkplatz verändert.

 

Ansicht des Franzosenfriedhofs im Frühsommer 2009

(zum Vergrößern bitte Anklicken)

 

Projekt Franzosenfriedhof

Von Alexandra Rudolf (Universität für angewandte Kunst Wien)

Wie wir im März dieses Jahres zu dem Ort, der allgemein als „Franzosenfriedhof" bezeichnet wurde, gekommen sind, wussten wir kaum mehr, als in der Beschreibung des Workshops stand.

Voller Spannung warteten wir darauf den angekündigten Ort in Augenschein zu nehmen. Ein Bild der Verwüstung, des Chaos und der Unordnung bot sich uns. Doch unter dieser oberflächlichen Verwirrung blieb uns das Potential des Ortes nicht verborgen. Hier musste etwas getan werden! Und hier wollten wir arbeiten!

Unsere dringlichste Frage beim Entwurf war: Was braucht dieser Ort? Schnell wurde uns - was uns durch die Geschichte des Ortes bestätigt wurde - klar, dass es sich um einen sehr bewegten Ort handelt. Zudem konnten wir außergewöhnliche Energien feststellen. Mittels einfachen Hilfsmitteln wie Wünschelruten, hielten wir auf Papier die Energieströme fest und machten das, was wir bereits angenommen hatten, für alle  sichtbar.

Motiviert durch diese Errungenschaft machten wir uns daran, einen geeigneten Entwurf zu finden. In zwei Planungsphasen erarbeiteten wir einen Plan, welcher alle Aspekte des Ortes aufgriff und in ein harmonisches Konzept zusammenfügte. Im Mittelpunkt unserer Überlegungen stand das Thema Leben und Tod. Obwohl dieses jedoch nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte abdeckte, war dies jener Teil, der vor allem in den Köpfen der Leute verhaftet war. So entstand der Titel "Vom Bluten zum Blühen".

Der Tod stellt auch immer Schmerz und Leid dar. Diese Schmerzen, dieses Bluten, welches die Verstorbenen erleiden mussten, sind an dem Ort verankert. Mit unserer Planung lassen wir dieses Bluten in einem Blühen aufgehen und verwandeln diese negativ behaftete Energie in positive. Unsere harmonische Gestaltung ist die Darstellung des Lebens und die Verströmung positiver Energien ohne die Geschichte in Vergessenheit geraten zu lassen.

So stehen die zwei Baumkreise mit der freien Mitte für den Hausberg - der  Schutz vor dem Außenstehenden bot. Der Stein in der Mitte zeigt nach oben und führt den Blick des Besuchers ebenfalls gegen den Himmel. Er gibt die Energien, die an diesem Ort zusammenlaufen, wieder an die Umgebung ab und trägt so zu einer Vitalisierung der umliegenden Felder bei. Zudem steht er in einem  besonderen Kontakt mit der Ulme. Beide teilen sich die Mitte und  repräsentieren zum Einen das Leben und die Vergänglichkeit (der Baum) und zum Anderen die Beständigkeit und das Unumstößliche (der Stein). Die Wurzel nimmt einen besonderen Platz ein und hat eine ganz eigene Geschichte und Bedeutung. Die Wurzel ist eine sinnbildliche Darstellung der Geschichte des Ortes. Die Soldaten aus den verschiedenen Ländern wurden aus ihrer Heimat entwurzelt und hier an diesem Ort zurückgelassen. Der Blick unter die Wurzel führt gedanklich zu den Toten dieses Ortes und animiert zur Beschäftigung mit dem eigenen Schattenreich. Der rote Weg spiegelt unseren Titel "Vom Bluten zum Blühen" wieder. Die Oberfläche des roten Ziegelsplittes hebt sich als starke Kontrastfarbe vom  Grün der Umgebung ab und leitet den Besucher zu der be-freienden Mitte. Die Sitzsteingruppe dient der Ruhe und Erholung. Hier ist der Ort, wo der Besucher rasten und verweilen kann und alle Alltagslasten von ihm abfallen.

 

Sitzsteine

Laden ein zum Verweilen und die Natur auf sich wirken lassen

Naturgewalt

Sturm "Wolfgang" hat diesen mächtigen Baum wie ein Streichholz abgeknickt

Kraftstein

Der Krafstein im Zentrum des Franzosenfriedhofs bündelt die Kräfte

Für den Inhalt verantwortlich:

Mag. Günther Zier, 2283 Obersiebenbrunn, Website: www.g-zier.at
e-mail: guenther.zier@tele2.at