Projekt Franzosenfriedhof
Von Alexandra Rudolf
(Universität für angewandte Kunst Wien)
Wie
wir im März dieses Jahres zu dem Ort, der allgemein als „Franzosenfriedhof"
bezeichnet wurde, gekommen sind, wussten wir kaum mehr, als in der
Beschreibung des Workshops stand.
Voller Spannung warteten wir darauf den angekündigten Ort in Augenschein zu
nehmen. Ein Bild der Verwüstung, des Chaos und der Unordnung bot sich uns. Doch
unter dieser oberflächlichen Verwirrung blieb uns das Potential des Ortes
nicht verborgen. Hier musste etwas getan werden! Und hier wollten wir
arbeiten!
Unsere dringlichste Frage beim Entwurf war: Was braucht dieser Ort? Schnell
wurde uns - was uns durch die Geschichte des Ortes bestätigt wurde - klar,
dass es sich um einen sehr bewegten Ort handelt. Zudem konnten wir
außergewöhnliche Energien feststellen. Mittels einfachen Hilfsmitteln wie
Wünschelruten, hielten wir auf Papier die Energieströme fest und machten
das, was wir bereits angenommen hatten, für alle sichtbar.
Motiviert durch diese Errungenschaft machten wir uns daran, einen geeigneten
Entwurf zu finden. In zwei Planungsphasen erarbeiteten wir einen Plan,
welcher alle Aspekte des Ortes aufgriff und in ein harmonisches Konzept
zusammenfügte. Im Mittelpunkt unserer Überlegungen stand das Thema Leben und
Tod. Obwohl dieses jedoch nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte
abdeckte, war dies jener Teil, der vor allem in den Köpfen der Leute
verhaftet war. So entstand der Titel "Vom Bluten zum Blühen".
Der
Tod stellt auch immer Schmerz und Leid dar. Diese Schmerzen, dieses Bluten,
welches die Verstorbenen erleiden mussten, sind an dem Ort verankert. Mit
unserer Planung lassen wir dieses Bluten in einem Blühen aufgehen und
verwandeln diese negativ behaftete Energie in positive. Unsere harmonische
Gestaltung ist die Darstellung des Lebens und die Verströmung positiver
Energien ohne die Geschichte in Vergessenheit geraten zu lassen.
So
stehen die zwei Baumkreise mit der freien Mitte für den Hausberg - der
Schutz vor dem Außenstehenden bot. Der Stein in der Mitte zeigt nach oben
und führt den Blick des Besuchers ebenfalls gegen den Himmel. Er gibt die
Energien, die an diesem Ort zusammenlaufen, wieder an die Umgebung ab und
trägt so zu einer Vitalisierung der umliegenden Felder bei. Zudem steht er
in einem besonderen Kontakt mit der Ulme. Beide teilen sich die Mitte und
repräsentieren zum Einen das Leben und die Vergänglichkeit (der Baum) und
zum Anderen die Beständigkeit und das Unumstößliche (der Stein). Die Wurzel
nimmt einen besonderen Platz ein und hat eine ganz eigene Geschichte und
Bedeutung. Die Wurzel ist eine sinnbildliche Darstellung der Geschichte des
Ortes. Die Soldaten aus den verschiedenen Ländern wurden aus ihrer Heimat
entwurzelt und hier an diesem Ort zurückgelassen. Der Blick unter die Wurzel
führt gedanklich zu den Toten dieses Ortes und animiert zur Beschäftigung
mit dem eigenen Schattenreich. Der rote Weg spiegelt unseren Titel "Vom
Bluten zum Blühen" wieder. Die Oberfläche des roten Ziegelsplittes hebt sich
als starke Kontrastfarbe vom Grün der Umgebung ab und leitet den
Besucher zu der be-freienden Mitte. Die Sitzsteingruppe dient der Ruhe und
Erholung. Hier ist der Ort, wo der Besucher rasten und verweilen kann und
alle Alltagslasten von ihm abfallen. |