Wie alles begann
Text von Ing. Gerhard Frohner
2004 Herzoperation - Reha Waldviertel.
Viele Spaziergänge in der schönen Landschaft. Auffällig die vielen
Hinweistafeln zu riesigen Steinen wie Marienstein - Teufelsstein -
Kirlingstein - Waldhorchgeräte usw. Die Waldviertler machen aus nichts auch
etwas! Und wir Marchfelder ??? Genau zu dieser Zeit läuft die Vorbereitung
der NÖ Landesausstellung. Man plant am Heldenberg, in Klein Wetzdorf, einen
keltischen Kreisgraben nachzubauen.
Ich erinnere mich an den Graben in der Franzosenremise in
Obersiebenbrunn. Dieser müsste hunderte, wenn nicht sogar tausende Jahre alt
sein.
Das wäre was!
Wieder zu Hause ist mein erster Weg in die Franzosenremise. Ich bin vom
Kreisgraben fasziniert. Hier muss ich was finden, damit man datieren kann.
Ich grabe im Kreisgraben ca. 1 1/2 Meter x 0,80 Meter. Am Grund dieses
ehemaligen Gewässers - uralte Rinderknochen. Weitergraben ist unmöglich
wegen der vielen Wurzeln und Sträucher. Hier ist ein „Urwald".
Weiter zum Stempfelbach ist ein kleiner freier Platz. Irgendwo müsste
doch eine Behausung gewesen sein. Ich grabe wieder. In l Meter Tiefe gröbere
Steine und kalkartige Gebilde. Weiters große Tonscherben mit
Schnurkeramikverzierung. Super!
( Die Rinderknochen und die Tonscherben gebe ich in die Universität für
Frühgeschichte, jedoch bis heute keine Reaktion )
In der vorderen Wand sieht man auch Steine, - rundlich. Diese sind anders
als die bereits gefundenen. Vorsichtig berge ich diese und habe zwei
menschliche Schädel in Händen. Graben wird eingestellt und heim zu einem
Fachmann, dem Karl Novovesky. Dieser verständigt Gendamerie und die
französische Botschaft.
17.5.2004 Eintreffen einer
französischen Delegation bestehend aus
Lieutnant Coleman, Verteidigungsattache
Mr. R Ouvrard, Souvenir Napolénien
Mr. Lapierre, Souvenir français en Autriche
Mr. Littmann, deutsche Kriegsgräberfürsorge
Ing. G. Frohner, Karl Novovesky
2 Helfer vom Schwarzen Kreuz
Herr Littmann birgt vorsichtig einen Körper nach dem anderen, stellt
Alter fest und die Verletzung, welche zum Tode führte.
Fast alle haben Verletzungen durch Säbel:
- Die ersten beiden sind 25 bzw. 18 Jahre alt - Verletzung an den Armen
- Einer ist 17 Jahre mit Schädelverletzung
- Ein 35-Jähriger hat Oberschenkelverletzung
- Ein 30-Jähriger hat Splitterverletzung unterm Knie
- Ein 30-Jähriger hat eine Brustbeinverletzung
- Einer Verletzungen am linken Schienbein und Wadenbein
- Einer hat das Schlüsselbein durchgeschlagen
- Einer hat Unterarmverletzung
- Einer Oberkieferverletzung
- Einer hat Schienbeinverletzung
Man wartet aber noch immer auf die Bestätigung, dass es Franzosen sind.
Endlich findet Herr Littman grünlich verfärbte Knochen, was auf Oxidation
durch Messing hinweist.
Tatsächlich findet man einen Uniformrest mit Knöpfen, wo einer die Nummer
64 hat. Es sind Franzosen. „64" steht für ein französisches Infanterieregiment.
Mehr wollen wir nicht wissen, obwohl auf allen Seiten noch Knochen aus
den Grabenwänden lugen. Die Skelettteile werden nun in Plastiksäcke gegeben
und durch Herrn Novovesky in die Leichenhalle gebracht. Bürgermeister Slavik möchte
die Skelettteile wieder an diesem Ort bestatten.
22.9.2004 Feierliche Wiederbestattung
Herr Littmann bringt 8 Särge worin nun alle Knochen gebettet werden.
Militärmusik, NO
Schüler der Volksschule
Franz. Botschafter A. Catta, Franz. Militärpfarrer
Pfarrer Schedl und Pfarrer Weinwurm
Abordnung hoher Offiziere des Österr. Bundesheeres
Abordnung der französischen Fremdenlegion
Abordnung des österr. Kameradschaftsbundes
Herr Horst Littmann, Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Mr. Ouvrard, Mr. Lapierre, Mr. Coleman - Militärattache